Metal Slug Tactics

Lange war es still, um den abgedrehten Run and Gun Klassiker Metal Slug. Abgesehen von ein paar Smartphone Spinoffs und Compilations alter Teile, gab es seit 2009 keinen richtigen Ableger der Reihe mehr. Jetzt ist die Serie zurück, doch nicht als Run and Gun, sondern als Taktik RPG!

Damit gesellt sich das Spiel in die Konkurrenz von Schwergewichten wie Fire Emblem, X-Com und Mario & Rabbits. Um sich von Ihnen abzuheben, versucht Metal Slug das Genre durch Rogue Like Elemente und einigen eigenen Ideen aufzufrischen.

Keine Sorge, wem das zu viele Videospiele Buzzwords waren, in unserem Test haben wir das Spiel analysiert, alles verständlich aufgedröselt und geschaut, ob der Mix denn auch Spaß macht.

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Metal Slug Tactics verspricht eine spannende Mischung aus Taktik-RPG und Roguelike-Elementen.

Taktik-Rp… Was?

Wie eingangs erwähnt ist Metal Slug Tactics ein waschechtes Taktik-RPG. Das bedeutet, dass der Großteil des Spiels daraus besteht, dass ihr eure Charaktere in rundenbasierten Kämpfen, ähnlich wie auf einem Schachbrett über das Schlachtfeld bewegt, immer auf der Suche nach dem besten Spot für euren perfekt vorausgeplanten Angriff. Dabei gilt es auch stets zu beachten, sich nicht von den Gegnern umzingeln zu lassen. Denn ansonsten werden eure Charaktere selbst schneller zu Schweizer Käse verarbeitet als euch lieb ist.

Wer sich in dem Genre auskennt, dem wird die Ähnlichkeit von Metal Slug Tactics und Into the Breach auffallen. In beiden Spielen wählt ihr für jeden neuen Run ein Team aus 3 Charakteren mit unterschiedlichen Fähigkeiten und dann eine Region auf einer Weltkarte aus. Dort erledigt ihr Missionen, die euch unterschiedliche Belohnungen für den aktuellen Spieldurchlauf geben, bis ihr genügend Missionen erledigt habt, um zum nächsten Sektor überzugehen.

Kein Abklatsch!

Metal Slug Tactics möchte aber keineswegs ein einfacher Abklatsch anderer Taktik RPGs sein. Zum einen merkt man das an der liebevollen und Metal Slug typischen Optik. Es macht einfach richtig Freude sich dieses Spiel anzusehen und überall verstecken sich charmante Details und kleine Gags.

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Wo man auch hinschaut, durch die Detailverliebtheit der Entwickler findet man jedes Mal aufs neue charmante Details auf dem Bildschirm.

Zum anderen hat sich das Team hinter Metal Slug Tactics aber auch ein paar eigene Mechaniken einfallen lassen. Neu ist zum Beispiel das Adrenalin-System – Bewegt ihr einen Charakter, erhält er abhängig davon, wie weit dieser gezogen wurde Adrenalin Punkte. Diese sind quasi euer „Mana“ mit dem ihr Spezialfertigkeiten auslösen könnt. Außerdem erhaltet ihr desto weiter ihr zieht auch „Ausweichen“, wodurch euer Charakter eingehenden Schaden reduziert. Dies motiviert euch dazu nicht einfach immer in die nächste Deckung zu huschen, sondern auch mal mitten in die Gegner reinzustürmen, um dann diese mit euren Fähigkeiten auseinanderzunehmen.

Eine weitere zentrale Mechanik sind die Synchron Angriffe: Wenn ihr mit einem Charakter angreift und mindestens ein weiterer eurer Charaktere in Angriffsreichweite steht, führt dieser ebenfalls einen Angriff auf das Ziel aus. Oftmals werden dadurch dann auch noch Fähigkeiten eurer Charaktere getriggert, z.B. dass ihr euch noch einmal bewegen oder schießen dürft.

Beide Systeme zusammen führen dazu, dass ihr euch teilweise wie ein Dirigent eines großen Orchesters fühlt, der jede Runde erneut bestimmt, wie und wohin wer am geschicktesten geht, wer den Angriff führt und wer erstmal „nur“ einen Synchron Angriff macht, um dann eine eigne Angriffsverkettung einzuleiten.

Ihr merkt schon, bei Metal Slug Tactics gibt es auf dem Schlachtfeld eine ganze Menge zu entscheiden. Doch wenn ihr den perfekten Plan entworfen habt, und den Befehl zum Angriff gebt, ist es wie eine Symphonie, die sich vor euren Augen entfaltet. Dank den klassischen Metal Slug artigen äußerst liebevollen Animationen ist dies auch jedes Mal ein wahrer Augenschmaus.

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Auch an den Angriffsanimationen merkt man den Entwicklern ihre Lebe zum Detail an.

Taktische Hilfen

Damit ihr auch möglichst oft in den Genuss dieser wohlgeplanten Symphonie kommt, gibt euch Metal Slug Tactics einige Werkzeuge an die Hand, um euch bei der Planung zu unterstützen. So verzichtet das Spiel gänzlich auf Prozentchancen und variable Schadenswerte. Jeder Angriff trifft immer und macht auch immer einen festgelegten Schaden. Um euch zusätzlich zu unterstützen, bekommt ihr auch immer eine genaue Vorschau, welche Verkettungen euer Angriff auslösen würde und wer dadurch wie viel Schaden erhält. Zudem könnt ihr eure Bewegungen auch noch einmal rückgängig machen, sofern ihr noch nicht angegriffen oder eine Spezialfertigkeit aktiviert habt. Zwei Mal pro Gefecht könnt ihr euren Zug sogar komplett zurück setzten. Dadurch ermutigt euch das Spiel herumzuprobieren und immer die perfekte Taktik für euren aktuellen Zug zu finden.

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In Metal Slug Tactics wisst ihr immer genau, welche Auswirkungen euer nächster Zug haben wird.

Das Roguelike in Metal Slug Tactics

Metal Slug Tactics ist nicht nur ein Taktik RPG, sondern auch ein Roguelike. Das bedeutet, dass das Spiel darauf ausgelegt ist, dass ihr immer wieder neue Durchläufe, sogenannte Runs, startet. Solltet ihr in einem Run sterben, oder diesen abschließen, startet ihr den nächsten Run von neu. Das heißt eure Charaktere verlieren gesammelte Boni, Ausrüstung und Level Ups.

In Metal Slug Tactics habt ihr allerdings nach jedem Spieldurchlauf die Möglichkeit neue Loadouts und Fertigkeiten für eure Charaktere oder Verbesserungen für einzelne Waffentypen freizuschalten. Zudem könnt ihr durch das absolvieren von Runs unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. schließe einen Run ab, in dem du alle Gebiete abgeschlossen hast) auch neue Charaktere freispielen.

Leider wirkten sich die Upgrades und auch die freischaltbaren Charaktere eher im Detail auf meine Spielweise aus – Wirklich motiviert grundlegend andere Taktiken in meinen Runs auszuprobieren, hat mich das leider nie (Außer vielleicht einen Run, in dem ich nur mit Nahkämpfern gespielt habe).

Auch die Upgrades und Waffenmodifikationen, die man innerhalb der Runs als Belohnung nach den einzelnen Gefechten erhält konnten mich persönlich nicht ganz überzeugen. Warum? Dazu komme ich gleich.

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Nach Abschluss der Missionen, könnt ihr als Belohnung z.B. oftmals euren Charakteren neue Fähigkeiten verpassen, oder eure Waffen verbessern.

Nur etwas für Taktiknerds?

Ich gebe es zu, ich bin nicht der größte Taktiker, dennoch hatte ich verdammt viel Spaß mit Spielen wie z.B. Mario & Rabbits und X-Com. Und auch wenn mich der Humor und die Optik von Metal Slug extrem abholt, fällt es mir schwer am Abend einfach so mal eine Runde Metal Slug zu spielen, wie ich zuvor andere ähnliche Titel gespielt habe. Durch das komplette Wegfallen eines gewissen Zufallsfaktors innerhalb der Gefechte, wurde ich viel zu sehr zum Perfektionisten – immer auf der Suche nach einem Weg, doch noch einen Gegner mehr auszuschalten. Was sich zunächst cool anhört, wurde bei mir schnell zur Spaßbremse. Durch die vielen Kleinigkeiten, die man in seine Taktik mit einbeziehen kann, hat es sich teilweise wie eine Ewigkeit angefühlt, bis ich mich für einen einzigen Zug entschieden habe. Ich gebe euch ein Beispiel für meine Gedanken innerhalb eines Zuges:

„Okay, ich möchte mit diesem Charakter möglichst viel Laufen, um möglichst viel Adrenalin zu generieren, um dann wieder die Spezialfähigkeiten nutzen zu können, um dann wieder eine Bonusbewegung nutzen zu können, um dann mit einem Synchro Angriff einem Teamkameraden bei einem Abschuss zu unterstützen, um dann wiederum eine Bonusaktion zu erhalten – aber Moment, wenn ich das so mache, dann versauert ja mein dritter Charakter in der Ecke und wenn ich den nur richtig platziert bekomme, könnte der ja noch einmal jemanden töten und eventuell schaffe ich dann das Bonusziel der aktuellen Mission… Lass mich doch nochmal alles zurück setzten…“

So saß ich teilweise eine gefühlte halbe Stunde an einem einzigen Zug und setzte immer wieder alles zurück, bis ich auch wirklich jede erdenkliche Option und ihre Auswirkungen angesehen hatte. Der Gedanke ich könnte auch nur einen einzigen suboptimalen Zug machen, lies mich meine Entscheidung nicht einfach vorher einloggen. Auch wenn die Missionen meist einen solchen Perfektionismus (zumindest auf den ersten Schwierigkeitsgraden) gar nicht erforderten.

Die Upgrades die man zwischen den Runs erhält haben das Problem für mich oftmals noch verschlimmert. Z.B. gibt es Upgrades, die dem Charakter nach einem Synchron-Angriff +1 Schaden auf seine Angriffe geben. Keine große Sache möchte man meinen, doch in der Flut der Details, die man in jedem einzelnen Zug in all die Entscheidungen die es zu treffen gilt stecken muss, war mir dies oftmals ein Detail zu viel, dass ich auch noch mit einbeziehen soll. Deshalb habe ich solche Upgrades oftmals im Gefecht einfach ignoriert. Schade eigentlich… Denn meist sind ja gerade die Upgrades die man während dem Run erhält das, was ein Roguelike so spaßig und abwechslungsreich macht.

Fazit: 7/10

Schweren Herzens muss ich mir wohl leider eingestehen, dass das Spiel nicht für mich gemacht ist. Zwar kann mich die charmante Optik und der Humor voll abholen, allerdings erliege ich hier einfach zu oft komplett der Entscheidungsparalyse, als dass ich damit wirklich Spaß haben kann. Zur Wahrheit gehört aber auch: Selbst Enter the Breach, dass von vielen sehr stark gefeiert wird, konnte mich aus den gleichen Gründen nicht besonders lange fesseln. Ich kann mir gut vorstellen, wer damit bereits Spaß hatte, wird auch mit Metal Slug Tactics eine sehr gute Zeit haben und würde dem Spiel bestimmt eine bessere Bewertung geben. Auch kann ich mir gut vorstellen, dass alle, denen Spiele wie X-Com mit ihren Trefferwahrscheinlichkeiten zu zufällig sind sich bei Metal Slug Tactics richtig wohl fühlen werden.

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