Ballionaire

Ein japanischer Glücksspielautomat, aber als Taktikspiel? Was erst einmal seltsam klingt, entpuppt sich in der Praxis als überraschend spaßige Kombination. Ballionaire verbindet das Prinzip japanischer Pachinko-Automaten mit Roguelike-Elementen und erschafft dabei ein hypnotisches Spektakel aus Chaos, Strategie und Glücksspiel. Ob der Titel langfristig begeistern kann, klären wir in unserem Test.

Ein Pachinko-Roguelike
Ballionaire beschreibt sich selbst als „Pachinko-Roguelike“ und verbindet damit, ähnlich wie der Überraschungshit Balatro, ein klassisches Glücksspiel mit Roguelike Elementen. Falls ihr noch nie von Pachinko gehört habt: Das Prinzip ist simpel. Ihr lasst eine Kugel in einen Automaten fallen, die an Hindernissen abprallt und am Ende in einem von mehreren Löchern landet. Je nachdem, wo sie hineinfällt, gewinnt oder verliert ihr.
Hier kommt jedoch der taktische Kniff ins Spiel: In Ballionaire ist nicht das Zielloch entscheidend, sondern welche „Trigger“ der Ball (so werden die Kugeln in Ballionaire genannt) auf ihrem Weg aktiviert. Einige geben direkt Geld aus, andere wie Schwerter, Fackeln oder Nahrungsmittel werden aufgesammelt und entfalten ihre Wirkung erst an einer passenden Stelle. Trifft ein Ball mit einem Schwert auf ein Monster, verursacht er mehr Schaden. Fackeln können Raketen entzünden, und Tomaten werden von einem Mund gegessen. Nur um einige der vielen Kombinationen zu nennen. Denn in Ballionaire gibt es einen ganzen Berg an Triggern und Synergien zu entdecken – und das bringt uns direkt zu den Roguelike-Elementen des Spiels.
Ballionaire wird in klassischer Roguelike-Manier in sogenannten „Runs“ gespielt wird. Das bedeutet in diesem Fall, ihr startet das Spiel, wählt euch eines von insgesamt 6 verschiedenen Spielbrettern, einen Schwierigkeitsgrad und ein Starterpaket an Triggern aus und los geht der Run. Jetzt müsst ihr in jeder Runde mit einer begrenzten Anzahl an Bällen eine immer höhere Punktzahl erreichen, um weiterzukommen. Scheitert ihr, ist der Run vorbei.
Interessant wird es dadurch, dass ihr nach jedem Ball die Auswahl aus drei verschiedenen Triggern erhaltet, die ihr auf eurem Brett frei platzieren dürft. Zudem dürft ihr euch von Zeit zu Zeit auch sogenannte Segen auswählen, die euch weitere passive Boni geben. Durch die schiere Masse an unterschiedlichen Hindernissen, Segen und Synergien zwischen den Triggern, bekommt das Spiel auch einen gewissen taktischen Tiefgang. Denn nur, wenn ihr alles schlau kombiniert, schafft ihr es, die Punkteziele zu erreichen und den Run erfolgreich abzuschließen.

Hypnotisches Chaos
Kaum fällt der erste Ball, entwickelt Ballionaire einen unwiderstehlichen Sog. Bälle prallen unkontrolliert über das Spielfeld, zünden Raketen, lassen Feuerbälle regnen, sprengen Monster und setzen eine Kettenreaktion an Ereignissen in Gang. Manchmal katapultieren Portale einen Ball in letzter Sekunde nach oben zurück, während plötzlich Fische vom Himmel regnen. Dieses wilde Treiben erinnert mich an meine Kindheit zurück, als ich das erste Mal an einem Flipperautomaten stand, und durch die vielen blinkenden Lichter, lauten Geräusche und der Aussicht auf den Highscore regelrecht in eine Art Trance versetzt wurde – Nur dass der Flipperautomat in Ballionaire auch noch in Flammen steht, vermutlich bis zum Mond fliegen könnte und ja ich bin mir sicher er kann auch Internet und Bluetooth.

Besonders fesselnd ist die ständige Neugier: Welche verrückten Kombinationen entstehen als Nächstes? Welche Synergien kann ich ausreizen? Ähnlich wie in Civilization entsteht so der berüchtigte „Nur noch eine Runde“-Effekt.
Nur ein kurzfristiger Spaß?
Nach meinem ersten Run, wollte ich sofort noch eine Runde spielen, und sehen, welche absurden Situationen sich noch herbeirufen lassen. Doch leider wurde relativ schnell klar, egal welche Strategien ich auch ausprobiert hatte, meistens lief es einfach darauf hinaus, dass auf welche Art auch immer ganz viele Bälle erzeugt werden, die wiederum möglichst viel Chaos auf dem Bildschirm verursachen und dadurch möglichst viele Punkte bringen. Klar, in der Theorie kann ich in einem Run z.B. mehr auf Lebensmittel spielen und in einem anderen auf Monster, doch in der Praxis spielen sich beide Strategien relativ gleich. Erst entweder die Tomate oder das Schwert oben platzieren, hoffen dass der Ball sie mitnimmt und dann weiter unten das Monster oder den Mund anbringen, damit der Ball die Tomate dort abliefert oder mit dem Schwert das Monster haut. Auch die verschiedenen Schwierigkeitsgrade, die euch verschiedene Mali geben, oder die wirklich kreativen Bretter, welche nicht nur anders aussehen, sondern auch alle ganz eigene Mechaniken mitbringen, änderten nichts daran, dass sich das Spiel spätestens ab der Hälfte des Runs immer relativ gleich anfühlte.

Fazit: 7/10
Ballionaire macht am Anfang wahnsinnig viel Spaß, allerdings verliert das Spiel mit jedem gespielten Run relativ schnell seine Magie. Zudem gibt es in dem Spiel keinerlei Story und auch, dass ihr nach jedem Run neue Trigger freischalten könnt, motiviert nur bedingt dazu, das Spiel wirklich öfters zu spielen. Dafür ist das Core-Gameplay leider zu monoton.
Was ich hier allerdings auch erwähnen möchte, ist, dass die Entwickler bislang bereits kostenlos per Update einige neue Trigger und einen Modsupport nachgereicht haben und stetig daran arbeiten das Feedback der Spieler umzusetzen. Zudem kostet das Spiel aktuell nicht einmal so viel wie 2 Döner und bietet dafür bereits jetzt eine Menge kurzweiligen Spaß – vor allem für Spieler, die in Roguelikes vor allem das total überdrehte Chaos suchen und deren Ziel es dabei ist, so viele Effekte auf den Bildschirm zu bekommen, bis der eigene PC um Gnade bittet.

Kai hat dank André den Weg in unser Team gefunden und bereichert dieses vor allem im Genre der Roguelikes. Mit diesen hat er sich bereits so manche Nacht um die Ohren geschlagen, weshalb wir auf seine geballte Expertise zurückgreifen dürfen. Allgemein schlägt Kais Herz für Indie-Games, da diese so manche Überraschung bereithalten. Hochkaräter wie die Monster Hunter-Reihe kennt Kai aber ebenso wie seine Westentasche.