Achilles: Legends Untold

Es ist schon sehr erstaunlich, wie viele neu veröffentlichte oder bereits erschienene Spieletitel einen geschichtlichen Hintergrund besitzen. Und kurioserweise darf ich diese immer wieder anspielen und bewerten. Dieses Mal werden wir in die Zeit des Trojanischen Krieges geschickt. Wir übernehmen in Achilles: Legends Untold die Rolle von Achilles, dem namensgebenden Charakter des Spiels.

Wer also schon immer mal mit dem größten Helden der griechischen Mythologie umherstreifen wollte, der sollte jetzt dranbleiben.
Das Spiel von Dark Point Games S.A. habe ich für die Nintendo Switch Konsole anspielen dürfen. Die Version ist im Nintendo eShop seit dem 23.01.2025 erhältlich. Für all diejenigen, die diese Konsole nicht zu ihrem Inventar zählen dürfen, brauchen aber nicht traurig sein. Achilles: Legends Untold ist mittlerweile auf allen gängigen Plattformen vertreten, sodass man durchaus auch an anderer Stelle zuschlagen kann.
Wie viel Geschichte steckt in Achilles: Legends Untold?
Wie bereits angedeutet, werden wir als Spieler mit dem wohl am weitesten verbreiteten Mythos der damaligen Zeit vertraut gemacht. Ich behaupte, dass jedes Kind die Erzählung über das Trojanische Pferd und den Fall Trojas anhand dieser List kennt. Dennoch möchte ich erneut einen kleinen Abriss über das Grundsetting geben.
Laut Gregor Delvaux de Fenffe (2020) begann die Sage um Troja mit einem Wettstreit zwischen den griechischen Göttinnen der Liebe (Aphrodite), der Weisheit (Pallas Athene) und der Frau von Zeus (Hera). Sie stritten darüber, wer von ihnen die Schönste sei (vgl. Delvaux de Fenffe, 2020). Um diese Frage zu klären, wählten sie Paris, den jüngsten Sohn des trojanischen Königs Priamos, aus. Dieser wählte von den drei Frauen Aphrodite, die ihm daraufhin die schönste Frau der Welt versprach (ebd.).
Und so kam es, wie es kommen musste. Paris begegnete auf einer Reise nach Griechenland der schönsten Frau der Welt – Helena (ebd.). Er entführte die verheiratete Frau vom König von Sparta (Menelaos) (ebd.). Als Menelaos diesen Vorfall mitbekam, zögerte er nicht und mobilisierte voller Wut seine Streitkräfte (ebd.). Zusätzlich ersuchte er noch die Hilfe seines Bruders Agamemnon, welcher zu der Zeit der mächtigste König Griechenlands war (ebd.). Zusammen und mit Achilles im Gepäck segelten sie in Richtung Kleinasien und landeten an den Stränden von Troja (ebd.). An dieser Stelle kürze ich den geschichtlichen Abriss ein, da jedem bewusst sein sollte, was nun folgte. Es kam selbstverständlich zum Krieg der beiden Völker. Laut der Sage ging es immer hin und her und keiner konnte die Überhand gewinnen, bis sich die Ereignisse überschlagen sollten.
Eines Tages nahm Menelaos Achilles die erbeutete Sklavin Briseis weg, sodass sich Achilles aus der Schlacht zurückzog (ebd.). Achilles Freund Patroklos konnte dies auf lange Sicht nicht ertragen, da die Griechen immer mehr an Boden verloren (ebd.). Er entschloss sich die Rüstung des Achilles anzuziehen und die Männer in die Schlacht zu führen (ebd.). In einem Zweikampf mit dem ältesten Sohn von Troja (Hector) wurde Patroklos besiegt und starb (ebd.). Das erzörnte Achilles so sehr, dass er sich Rache schwor und Hector in einem erneuten Zweikampf besiegte (ebd.). Eines Tages kam es aber zu einem schicksalhaften Moment, als Paris einen vergifteten Pfeil auf Achilles Ferse schoss und ihn traf (ebd.). Nach dem Tod Achilles und eine Vielzahl an Jahren des Krieges später, kam Odysseus die Idee mit dem Pferd (ebd.). Und so bauten die Griechen das berühmte Geschenk an die Trojaner, wodurch dessen Schicksal besiegelt wurde (ebd.).

Was findet sich aber nun von der Sage im Spiel wieder? Leider nicht ganz so viel. Wir landen zum Einstieg und mit dem Tutorial am Strand von Troja und kämpfen uns auch durch diesen Schauplatz, doch mit dem Kampf gegen Paris endet quasi der geschichtliche Hintergrund. So gesehen kann das auch nur logisch sein, da Achilles in der Sage ebenfalls stirbt. Wir stürzen auch in das entsprechende Totenreich, doch plötzlich wachen wir nach einigen Jahren auf einer Art Friedhof wieder auf. Neben den triumphierenden Königen Menelaos und Agamemnon scheinen wir der einzige Überlebende aus der Schlacht um Troja zu sein.
Auferstanden und angegriffen von einstigen Verbündeten schwören wir uns Rache. Auf den ersten Metern treffen wir auf einen alten Priester, welcher uns wohlgesonnen aber mysteriös erscheint. Ihn sollen wir im Laufe des Spiels immer mal wieder begegnen. Noch verrückter wird es nach einigen Spielstunden, als sich plötzlich noch eine unbekannte Stimme ins Spiel bringt. Was es am Ende damit auf sich hat und ob unser Rachefeldzug siegreich endet, solltet ihr lieber selbst erfahren.

Was mir persönlich an der Story gut gefällt, sind die vielen Bruchstücke, die einem präsentiert werden. Man wird quasi völlig unwissend und mit einer Menge an Fragezeichen ins Spiel geworfen. Es ist irgendwie mit der Auferstehung unseres Helden gleichzusetzen . Dieser ist genauso verwundert, wie wir vor dem Bildschirm. Im Laufe der Zeit scheint dieser sich aber immer mehr an seinen Fall ins Reich der Toten zu erinnern. Dies wird anhand kleiner Zwischensequenzen präsentiert. Nach diesen kurzen Cutscenes möchte man einfach wissen, wie es wohl weitergehen wird.
Diablo trifft Soulslike
Wenn man die ersten Schritte in Achilles: Legends Untold macht, trifft man auf vieles Bekanntes. Von Beginn an hat man das Gefühl, irgendwo habe ich das doch schon mal gespielt.

Alles beginnt mit dieser Top-Down-Ansicht á la Diablo oder Titan Quest. Wir sehen unseren Helden von schräg oben in der Spielwelt umherlaufen und Gegner vermöbeln. Des Weiteren erinnern die Höhlen- oder Kellerbereiche sehr stark an Diablo.
Die Kampfmechanik ist sehr flüssig und bietet eher eine Mischung aus den Spielen der Überschrift. Einerseits hauen wir alles zu Klump, was sich uns in den Weg stellt, andererseits muss man vor allem bei größeren Gegner doch etwas taktischer agieren und ein paar Ausweichrollen einsetzen. Je nach Schwierigkeitsgrad hält sich die Taktik aber eher in Grenzen und artet eher in ein Tastengehämmer aus.
Besondere Ähnlichkeit zu anderen Spielen weisen die Speicherpunkte auf. Hier muss man sogenannte Schreine aktivieren, dessen Parallele ganz klar die Leuchtfeuer aus Dark Souls sind. Sie dienen nicht nur der Verbesserung der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern können auch als Schnellreisepunkte verwendet werden. Die Schreine sind dabei sehr spielerfreundlich gesetzt und erleichtern oft die Reise zu einzelnen Quests. Voraussetzung dafür ist aber, dass man die große Spielwelt bereits ausgiebig erkundet hat. Die Areale sind dabei recht frei bereisbar. Nur ab und an trifft man auf Barrieren, für dessen Öffnung man im Spiel fortgeschritten sein muss.

Haben wir im Kampf genügend Erfahrungspunkte gesammelt, können wir diese in einem riesigen und durchaus schön gestalteten Fertigkeitenbaum ausgeben. Jener Baum kann aber auch sehr unübersichtlich werden, weil man keine klare Identifikation neuer Fähigkeiten hat. Sie werden genauso dargestellt, wie die im Übermaß vorhanden Aufwertungen von Talenten wie bspw. Vitalität, Stärke oder Ausdauer. Es kommt also öfters vor, dass man beim „durchscrollen“ plötzlich auf eine Fähigkeit wie dem Gegenschlag nach erfolgreichen Block stößt.

Mit Hilfe der „Rast“ kann man an den Schreinen außerdem seine Tränke auffüllen, muss aber gewarnt sein, dass damit alle bisher besiegten Gegner wiederbelebt werden.
Zu diesem Elementen gesellen sich auch noch Bosskämpfe. Diese sind eigentlich ganz nett gemacht, können aber mit den Einzigartigkeiten der Bosse eines Dark Souls nicht mithalten. Dennoch besitzen sie gewisse Eigenheiten. Beispielsweise lies einer der einzigartigen Gegner eine Art Totenkopf entstehen, welcher durch die Luft flog, uns verfolgte und letztlich in unserer Nähe explodierte. Die Entwickler haben sich schon Mühe gegeben, für Abwechslung zu sorgen. Gleichzeitig ist die Stärke der Bossgegner sehr gut balanciert. Wer eine wirkliche Herausforderung sucht, der stellt den Schwierigkeitsgrad entsprechend ein. Am Ende eines solchen Kampfes lassen die Bosse – wie normale Gegner – am Ende Ausrüstungsgegenstände oder Verbrauchsmaterialien fallen. Sie sind recht umfangreich. Neben Schwertern und Äxten kann man auch mit diversen Stangenwaffen in den Kampf ziehen. Mit etwas Glück machen diese sogar zusätzlichen Gift- oder Feuerschaden. Daneben sammelt man noch diverse Schilde ein oder erhält im Laufe des Spiels auch mal eine andere Rüstung.
Die Verbrauchsmaterialien benötigt man, um seine Ausrüstung beim Schmied zu verbessern oder man macht sich das Leben mit Nahrungsmitteln angenehmer. An manchen Ritualsteinen muss man sogar Nahrungsmittel „opfern“, um den Effekt auslösen zu können. Diese ganzen Objekte können aber auch aus Truhen gezogen werden, welche überall in der Spielwelt verteilt sind.

Als weitere Spielmechanik findet man in der Welt noch eine Art Risse, welche als „Kluft“ bezeichnet werden. Hier gehen wir durch ein Portal in die Unterwelt und müssen eine bestimmte Zahl von Gegnerwellen abwehren, um diesen Riss zu schließen. Aber auch in der „Oberwelt“ treffen wir hin und wieder mal auf ein paar Geister, die uns in das Totenreich zurückholen wollen.
Gegnertypen abseits des Menschlichen
Scheinbar hat sich in den Jahren unseres Ablebens einiges in der Welt getan. Neben menschlichen Gegnern dürfen wir uns auch mit Riesenskorpionen, Trollen und einigen Wölfen rumschlagen. Vor allem die menschlichen Feinde unterscheiden sich in ihrer Waffengattung, sodass wir es mit Speerträgern, Bogenschützen oder Schildträgern aufnehmen müssen. Je nach Kategorie muss man etwas anders vorgehen, da bspw. ein Schildträger unsere Standardangriffe locker blockt. Hier versucht Dark Point Games S.A. ein wenig Abwechslung ins Spiel zu bringen. Das ist auch dringend notwendig, da der Kampf gegen die Krieger Griechenlands sicher irgendwann langweilig geworden wäre.

Technische Aspekte
Hier muss ganz deutlich gemacht werden, dass wir uns auf der Nintendo Switch Konsole befinden und nicht auf dem PC oder einer anderen Konsolenart. Des Öfteren merkt man im Spiel, dass die Nintendo Switch einfach zu schwach auf der Brust ist. Angefangen bei der Grafik sieht man den für heutige Verhältnisse sehr veralteten Look. Viele Texturen sind alles andere als gestochen scharf. Hinzu kommen Einbrüche oder kleinere Lags sobald man mehrere herumstehende Fässer zerstört oder die Gegnerhorden doch mal größer werden. Gerechterweise muss man aber auch eindeutig sagen, dass Achilles: Legends Untold für ein Nintendo Switch Spiel gar nicht schlecht aussieht. Man merkt, dass man hier neue bzw. andere Maßstäbe setzen möchte, wie sich die Spiele auf dieser Konsole präsentieren sollten. Nach meinen Empfindungen sollten viel mehr Spiele so aussehen, wie Achilles: Legends Untold. Allerdings kann man mit den Versionen auf anderen Plattformen einfach nicht mithalten. Umso mehr darf man gespannt sein, was die neue Nintendo Switch leisten wird.
Ich muss aber auch sagen, dass ich während meiner Testzeit keinerlei Abbrüche, größere Spielfehler oder Einfrieren des Bildschirms hatte. In dem Rahmen, der einem geboten wird, läuft das Spiel also einwandfrei.

Abgesehen von den Rahmenbedingungen bietet uns das Spiel eine sehr schöne, weitläufige und atmosphärische Spielwelt. Die Städte sind vom Krieg zerstört, die Paläste prunkvoll und ab und an spürt man den Versuch einer lebendigen Welt.
Fazit: 7/10
Mit Achilles: Legends Untold bekommt ihr ein sehr solides Spiel mit einigen sehr bekannten Mechaniken anderer Titel. Das Metzeln durch die Gegnerreihen und die Bosskämpfe machen einfach Laune. Je nach Schwierigkeitsgrad kann man seine eigene Herausforderung selbst bestimmen, so dass die Kämpfe nicht überfordern wirken. Die Spielwelt empfinde ich als abwechslungsreich und schön designed, vor allem da man abseits des Hauptweges immer mal ein paar kleinere Dungeons oder Questgeber findet. Das Spiel kann eines sehr gut und das ist die Übernahme von etablierten Mechaniken und dessen Verwendung für eigene Zwecke. Was mir allerdings fehlt, ist das Alleinstellungsmerkmal oder die eigene Idee. Die Frage ist, wieso ich mir Achilles: Legends Untold kaufen soll, wenn ich etwas ähnliches bei Diablo, Titan Quest oder Dark Souls bekomme? Die Antworten darauf liegen vor allem im Preis, dem Empfinden des Spielprinzips und der Tatsache, dass man eben genannte Titel bereits durchgespielt hat. Aus dieser Sicht kann man Achilles: Legends Untold wirklich empfehlen.

Flo ist ein Spieler durch und durch. Egal, ob Karten-, Brettspiele oder Spiele in der digitalen Welt – alle sind ihm heimisch. Seine Anfänge machte er mit dem damaligen Spiel „Hugo“ oder der blauen Edition auf dem Gameboy Color. Im Jugendalter widmete er sich neben seinem sportlichen Ausgleich dem Strategiegenre, weshalb „Age of Empires 2“ oder die „Total War“-Reihe immer noch zu seinen Lieblingsspielen zählen.
Neben diversen Strategiespielen ist er auch ein großer Freund von sämtlichen kooperativen Games. Aus diesem Grund zählen wohl „7 Days to Die“ und „Dead by Daylight“ zu den am meisten gespielten Spielen überhaupt. In diesem beiden Titeln kann und konnte er auf beste Unterstützung von Maik und Gunter zählen.
Wichtig ist allerdings, dass die Spiele eine Crossplay-Funktion besitzen, da er vorwiegend auf der Playstation unterwegs ist. Der PC und die Nintendo Switch befinden sich aber auch in seinem Repertoire.