Sniper Elite: Resistance

Es ist ein sonniger Tag in der Nähe eines Damms. Der Wind weht mit einer leichten Brise aus Richtung Nordost. Die Luftfeuchtigkeit an diesem Sommertag ist recht hoch. Die Zielperson befindet sich in einer Entfernung von 207 Metern und ist eine der hochrangigen Offiziere der deutschen Wehrmacht. Wenn wir es schaffen, diese Person auszuschalten, verändern wir den kompletten Verlauf des 2. Weltkriegs. Trotz dieser unfassbar wichtigen Mission ist unsere Herzfrequenz vollkommen ruhig. Also dann mal los…
Es geht los…
…tief einatmen und die Luft anhalten. Unser Puls steigt und unser Körper ist bis zum letzten Muskel angespannt. Alles hängt von diesem einen Schuss ab. Wir betätigen den Abzug und die Kugel begibt sich auf ihre Flugbahn. Und…
…Ziel ausgeschalten! Allerdings gehen die Alarmsirenen direkt an. Nun heißt es wohl, die Beine in die Hand nehmen und weg hier.
Spielern der Sniper Elite-Reihe sollte so eine Szene durchaus bekannt vorkommen. Denn in den letzten Jahren hat man uns ins heiße Afrika, nach Italien und nach Frankreich geschickt. Im neuen Ableger von Rebellion und Wushu Studios zieht es uns ebenfalls wieder nach Frankreich. Und wie der Name des neuen Spiels schon andeutet, schließen wir uns hier dem französischen Widerstand an.
Können wir dem Widerstand helfen oder fliegen wir am Ende doch auf und werden gefangen genommen? Und kann der neue Teil der Sniper Elite-Reihe ebenfalls überzeugen? Davon könnt ihr euch in den nachfolgenden Abschnitten eine eigene Meinung bilden.

Kurze geschichtliche Einordnung der Geschehnisse
Sniper Elite: Resistance spielt im Zeitraum vom 13. Mai 1944 bis 05. Juni 1944. Zur besseren Einordnung der Ereignisse betrachten wir die Reste des Jahres 1943 sowie das gesamte Jahr 1944 bis einschließlich den 06. Juni 1944. Bei den Quellen werde ich mich auf die Bundeszentrale für politische Bildung sowie auf das Deutsche Historische Museum beziehen.
Genau ein Jahr vor dem im Spiel angewandten Zeitraum am 13. Mai 1943 endet der Afrikafeldzug (vgl. Scriba, 2015). Damit sollte das nächste Ziel der Alliierten Streitkräfte klar sein – Italien. So kam es wenige Zeit später (10. Juli 1943) zur Landung der Alliierten auf Sizilien (vgl. Scriba, 2023). Die italienischen und deutschen Truppen werden ab diesem Zeitpunkt immer weiter zurückgedrängt. Sodass es am 15. Februar 1944 zu den doch recht berühmten Ereignissen am Monte Cassino, bei denen das weltberühmte Benediktinerkloster durch Bombenangriffe der Alliierten völlig zerstört wird, kommt (vgl. Blume & Wichmann, 2022). Mit der Landung in Italien erreichen nun auch amerikanische und britische Bomber deutsche Städte von Süden aus (ebd.). Hierzu habe ich euch mal eine Abbildung von der Bundeszentrale für politische Bildung in Kombination mit dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr angehängt.

Im weiteren Verlauf des Jahres 1944 werden die deutschen Truppen auch an der Ostfront zurückgedrängt (ebd.). Laut dem Deutschen Historischen Museum erstellen Teile der militärischen Führung in Frankreich mit Generalfeldmarschall Erwin Rommel am 14. Mai 1944 Pläne zum Putsch gegen Hitler (ebd.). Außerdem durchbrechen die Alliierten mit der Eroberung von Monte Cassino am 18. Mai 1944 die deutschen Verteidigungslinien in Italien und beginnen den Vormarsch auf Rom (ebd.). Schlussendlich findet am 06. Juni 1944 die größte Invasion der Zeit mit der Operation D-Day statt (ebd.).
Zusammenfassend bedeutet dies für unser Spiel, dass wir uns im Zeitraum des Zurückweichens der deutschen Truppen an sämtlichen Fronten befinden. Dies soll uns auch direkt zur Story des Spiels führen.
Story lässt eher zu wünschen übrig – leichte Spoilergefahr!

In Sniper Elite: Resistance spielen wir nicht unseren altbekannten Karl Fairburne, sondern einen britischen Scharfschützen namens Harry Hawker. Mit ihm müssen wir nun versuchen, die Pläne der Nazis zu durchkreuzen, damit die Landung in der Normandie gesichert werden kann. Außerdem kommt es so, wie es kommen muss. Denn die Deutschen arbeiten an einer Geheimwaffe, welche den gesamten Kriegsverlauf auf den Kopf stellen kann.
Um den Erfolg der Landung an den Stränden der Normandie zu sichern, müssen wir uns durch insgesamt acht Missionen kämpfen. Mit dem Kauf des Season Pass kann man die Kampagne außerdem um drei Missionen erweitern.

Im Grunde war es das aber leider auch schon was die Story betrifft. Wir erleben tatsächlich nichts wirklich neues und verhindern zum gefühlten xten Male die Verwendung einer Superwaffe. Für mich ganz klar eines der großen Kritikpunkte an Sniper Elite: Resistance. Vor allem dann, wenn man den Einstieg ins Spiel miterlebt. Hier werden nämlich realistische Szenen aus der damaligen Zeit verwendet, wie man sie in sämtlichen Dokumentationen sehen kann. Davon hätte ich mir im weiteren Spielverlauf gern mehr gewünscht, da sie die Atmosphäre sehr beeinflussen. Außerdem wäre damit eventuell eine vernünftigere Einbettung der Story möglich gewesen. Grundsätzlich kann man die Spielgeschichte also deutlich besser und kreativer aufbauen, als es letztendlich gemacht wurde. Vorstellbar wäre zum Beispiel mal ein Einsatz innerhalb eines Verbandes, um wichtige Knotenpunkte zu besetzen. Bisher waren wir als Scharfschütze nur allein unterwegs und auf uns selbst gestellt. Eine Verbindung aus eigener Vorgehensweise und dem Vorrücken eigener Verbände innerhalb einer Mission würde das Spielerlebnis auf ein völlig anderes Level bringen. Im Endeffekt würde es der Reihe sicher helfen, wenn sich in Sachen Story des Spiels etwas bewegen würde.
Bekanntes Spielprinzip auf sehr weitreichenden und schön gestalteten Maps

Am serientypischen und erfolgreichen Spielprinzip hat sich zu den Vorgängern nicht besonders viel verändert – und das ist teils auch gut so. Wir sind immer noch der Einzelkämpfer tief hinter feindlichen Linien, der mit seinem Scharfschützengewehr, Sprengfallen, Attrappen etc. durch die Gegend streift. Weiterhin sehr gelungen ist die Schleichmechanik und die temporeduzierte Spielweise. Wir können also nicht im Stile von Call of Duty über die Maps pacen. In Sniper Elite ist man da schneller gestorben, als man die nächste rettende Häuserecke erreicht. Ich hatte das Gefühl, dass die Benutzung der Sekundärwaffen im Vergleich zu den Vorgängern deutlich verbessert wurde und man damit auch ordentlich Schaden austeilen kann, um sich zu retten. Allerdings muss ich da auch gestehen, dass mein letztes Sniper Elite etwas länger her ist. Bei der stetigen Übermacht an Gegnern ist es aber ratsam, eher im Verborgenen zu bleiben.
Zu Beginn der Mission sollte man sich die Zeit nehmen, um mit dem Fernglas Gegner aufzudecken und sich deren Laufwege einzuprägen. Auf Grundlage dieser Informationen kann man sich dann einen taktisch, strategischen Weg zum ersten Ziel suchen. Mir persönlich hat diese Vorgehensweise auch in diesem neuen Teil wieder unglaublich viel Spaß gemacht. Und so kam ich auf bis zu zwei Stunden Spielzeit pro Mission.

Wer die Spielzeit deutlich anheben will und die ultimative Herausforderung sucht, der kann mithilfe zahlreicher Einstellungen, das Spiel so realistisch wie möglich machen. Auf meinem zugegebenermaßen mittleren Schwierigkeitsgrad hatte ich ein paar Hilfen während des Zielens. Das Spiel hat für mich alle Gegebenheiten wie bspw. Wind eingerechnet. Diese Hilfen kann man aber ausschalten und auch die Gegner werden mehr Schaden austeilen. So kann sich jeder Spieler seine ganz eigene Herausforderung schaffen – spitze.
Typisch für die Serie ist auch die „Röntgen-Kill-Kamera“. Wenn man sich mit dem Scharfschützengewehr gut anstellt und keine Fehler bei der Berechnung der Gegebenheiten macht, wird der Abschuss sehr besonders dargestellt. Und zwar sieht man die Kugel durch die Luft fliegen und nach dem Einschlag im Ziel erhält man eine Sicht in dessen Inneres. Anders gesagt: Die Ausmaße des Schusses werden einem auf erstaunliche aber auch brutale Art und Weise sichtbar gemacht. Serienveteranen sollte das aber nicht neu vorkommen. Nur der Detailgrad ist von Spiel zu Spiel größer geworden.

Bei den lediglich acht Missionen war ich zu Beginn eher skeptisch. Wobei sich im Nachhinein eine solide Spielzeit und Variation ergab. Denn die zwei Stunden pro Missionen waren bei mir nicht nur Planung und Tötung, sondern auch Bewunderung für die einzelnen Karten. Diese sind wirklich sehr weitläufig und weisen für mich einen echt schönen Detailgrad auf. Wobei ich da eher die Nutzung von Türmen, Häusern oder Kirchen meine, anstatt die im übertriebenen Maße aufgehängten Flaggen der damaligen Zeit. Auch die Umgebung (Büsche, Ruinen etc.) an sich im eingangs beschrieben Dammbeispiel fand ich richtig klasse. Hier haben Rebellion und Wushu Studios ganze Arbeit geleistet.
Augen auf für Sammelbares
Innerhalb jeder Mission gibt es zusätzlich einige Sammelobjekte. Diese gehen von Geheimakten über Propagandaplakate bis hin zur Freischaltung neuer Waffen. Die Akten geben dabei ein paar Hintergrundinformationen. Hingegen kann man mit dem Auffinden von Propagandaplakaten kleinere Missionen freischalten. Dabei muss man in einer vorgegebenen Zeit auf einer bestimmten Karte alle Gegner ausschalten.
Das Freischalten von neuen Waffen erfordert etwas mehr Geschick, weil man eine hochrangige Zielperson auf eine bestimmte Art und Weise ins Reich der Toten überführen muss. Dies gestaltet sich machmal schwerer als gedacht. Zu guter Letzt können wir auch Werkbänke finden, an denen wir unsere Waffe anpassen können. Für meine Begriffe ist der Schalldämpfer für das Scharfschützengewehr etwas zu stark, weil man – verständlicherweise – kaum bis gar nicht entdeckt wird. So kann man sich den Weg ziemlich zügig freischießen.

Charakterverbesserung ohne spürbaren Effekt
Während wir unseren Charakter über die Map befehligen, sammeln wir für verschiedene Aktionen Erfahrungspunkte. Je nach Trefferbild erhält man unterschiedliche Erfahrungspunkte. Nach jedem Levelaufstieg können wir den erworbenen Fertigkeitspunkt in ein neues Merkmal stecken. Ich hatte aber stets das Gefühl, dass ich auch ohne diese Anpassung gut zurecht gekommen bin. Beispielsweise kann man das Tragen von Ausrüstungsgegenständen wie Attrappen, Minen oder TNT erhöhen. Wirklich genutzt habe ich das aber nicht, zudem man beim Durchsuchen der Leichen ständig Nachschub erhält. Für expermintierefreudigere Personen und die Erhöhung der Ausrüstung natürlich wieder sinnvoll.
KI mit Höhen und Tiefen
Im Bereich der KI macht das Spiel wohl eher eine solide Figur. Einerseits wurde ich nach einem Fehlschuss öfters mal entdeckt und andererseits scheint sich die KI um ihre verletzten Kameraden zu kümmern. Was wirklich schön anzusehen ist, da man durch die Hilfe etwas Realität schafft. Andererseits rennt die KI aber auch auf offenes Feld, obwohl der Kamerad offensichtlich niedergeschossen wurde. Heißt: Sie könnten sich auch gleich die Zielscheibe auf die Uniform malen. Außerdem lassen sich die gegnerischen Figuren sehr leicht durch Pfiffe oder geworfene Flaschen ablenken. Das gehört zwar zur Spielmechanik und ist auch sicher so beabsichtigt, dennoch ist die Kombination aus hohem Gras und dem Pfiff deutlich zu stark. Das liegt aber auch daran, dass es sehr viel hohes Gras auf den Karten gibt, in denen man diese Vorgehensweise anwenden kann.

Außerdem hatte ich eine Situation in der ich hinter einer Kiste saß und der Lauf meines Gewehrs eindeutig über der Kiste zu sehen war. Der Soldat ging aber trotzdem nichtsahnend an mir vorbei, sodass ich ihm mein Messer in die Rippen stoßen konnte. Aus Perspektive der Animation und des Spielflusses ist das aber schon verständlich, wobei es aber irgendwie einen kleinen Beigeschmack hat.

Technische Aspekte des Spiels
Wie bereits angedeutet, sind die Karten echt toll gestalten und sehen spitze aus. Wobei man doch an den Spielfiguren in Zwischensequenzen sieht, dass man etwas an der Realismusschraube drehen dürfte. In meinem gesamten bisherigen Spielverlauf sind mir keine Abbrüche untergekommen und das Spiel lief reibungslos. Dennoch haben sich einige kleinere Bugs eingeschlichen.

Zum Beispiel liefen gegnerische Soldaten nach Abklingen des Alarms plötzlich stupide gegen eine Wand oder einen Mauervorsprung. Oder der Königstiger stand mit einer Seite der Kette in der Luft (s. unten). Diese Dinge behindern das Spielvergnügen zwar nicht und ehrlicherweise sind sie auch nicht so prekär, dennoch macht es einen kuriosen Eindruck.

Was mich persönlich aber des Öfteren genervt hat, war die kantige Steuerung, wenn man sich hinter etwas verstecken oder um einen vermeintlich kleinen Gegenstand laufen wollte. Ständig blieb ich irgendwo hängen. Wenn man durch so ein Hindernis am Ende erwischt bzw. gesehen wird, steigt der Frustrationspegel, da man eventuell auch neu laden muss. Das sollte einfach etwas geschmeidiger sein.
Fazit 6/10
Meine Beziehung zu Sniper Elite: Resistance würde ich als Hassliebe bezeichnen. Mir gefällt dieser ruhige und taktische Stil des Spiels ungemein. Zugleich langweilt er mich auch, weil es kaum große Abwechslung im Spielprinzip gibt und ich mich mit etwas Glück einfach durch die Gegnerreihen schießen kann. Wahrscheinlich sollte man an dieser Stelle am Schwierigkeitsgrad drehen. Wobei sich natürlich auch jede Karte anders spielt und man dadurch etwas Abwechslung erhält. Möglicherweise liegt mein Problem darin begründet, dass die Story für mich einfach verbraucht ist, in der ich wieder einmal eine Wunderwaffe verhindern muss. Hier müssen die Entwickler echt ansetzen, um ihr gutes Produkt zu einem Must-Have zu machen. Sie haben mit den Maps, der Umgebung und dem Alleinstellungsmerkmal der „Röntgen-Kill-Kamera“ ein tolles Spiel geschaffen, das sich jeder Fan der Schleichmechanik zulegen sollte. Dennoch gibt es für weiterführende Titel wirklich Überholungsbedarf. Andernfalls könnte es für eingefleischte Fans echt schwer werden.
Und der Schuss trifft dann nicht mehr voll ins Schwarze, sondern verkommt eher zum Rohrkrepierer.

Flo ist ein Spieler durch und durch. Egal, ob Karten-, Brettspiele oder Spiele in der digitalen Welt – alle sind ihm heimisch. Seine Anfänge machte er mit dem damaligen Spiel „Hugo“ oder der blauen Edition auf dem Gameboy Color. Im Jugendalter widmete er sich neben seinem sportlichen Ausgleich dem Strategiegenre, weshalb „Age of Empires 2“ oder die „Total War“-Reihe immer noch zu seinen Lieblingsspielen zählen.
Neben diversen Strategiespielen ist er auch ein großer Freund von sämtlichen kooperativen Games. Aus diesem Grund zählen wohl „7 Days to Die“ und „Dead by Daylight“ zu den am meisten gespielten Spielen überhaupt. In diesem beiden Titeln kann und konnte er auf beste Unterstützung von Maik und Gunter zählen.
Wichtig ist allerdings, dass die Spiele eine Crossplay-Funktion besitzen, da er vorwiegend auf der Playstation unterwegs ist. Der PC und die Nintendo Switch befinden sich aber auch in seinem Repertoire.