Lightyear Frontier

Lightyear Frontier Titelbild

Egal, ob AAA oder Indie-Titel – seit Jahren kommen immer wieder unfertige Games auf den Markt, die technisch und spielerisch locker noch ein Jahr Entwicklungszeit gebraucht hätten. Zuletzt geschehen bei der technisch unbrauchbaren PC-Version von Spider-Man 2. Allzu häufig versteckt ein Studio diesen Umstand dann hinter dem Label „Early Access“. Dann gibt es aber auch immer wieder Lichtblicke, wie das schnuckelige Cozy-Game Lightyear Frontier, die meinen Glauben an das Format aufrecht erhalten. Zusammen mit dem Kollegen Kai habe ich mich als Landwirt/Pionier/Forscher am Rande der Galaxie niedergelassen und verrate Euch, wieso.

Lightyear Frontier Vogel ist satt und schenkt Ressourcen© Amplifier Studios / FRAME BREAK
Füttern wir Tiere, geben sie uns manchmal Rohstoffe und die Ressourcen im Gebiet wachsen schneller wieder nach. Wir können später auch eine Zucht starten.

Auf so einem Planeten strandet man gerne

Wir stranden auf einem unbewohnten (?) Planeten im Gebiet der Namensgebenden Lightyear Frontier, einem Gebiet der Galaxis, das gerade erst erschlossen wird. Alles, was wir dabei haben, ist unsere Spitzhacke und unser Mech, den wir zunächst wieder zusammenbauen müssen. Dieser stellt auch gleich das größte Alleinstellungsmerkmal von Lightyear Frontier da.

Denn ab hier beginnt ein Mix aus klassischem Survival-Game und Farming Sim, die aber durch unseren Stahlkoloss ein frisches Spielgefühl übergestülpt bekommt. Viele alltägliche Dinge, wie Beete gießen, Feld abernten und neu aussähen oder Holzhacken gehen mit den verschiedenen Tools, die wir für den Mech freischalten, viel schneller und spaßiger von der Hand, als bei der Konkurrenz.

Lightyear Frontier Aussaat mit dem Mech© Amplifier Studios / FRAME BREAK
Die Steuerung des Mechs fühlt sich unheimlich echt und nachvollziehbar an. So fühlen wir nach einem Sprint tatsächlich seine Masse, wenn wir eine Kurve rennen. Die vielen Komfortfunktionen beim Farmen tun ihr Übriges.

Und dabei sieht der Planet einfach wunderschön aus! Die Grafik ist zwar cartoonig schlicht, aber auch sehr farbenfroh und liebevoll designt. Dazu kommt eine fantastische Lichtstimmung. Die Wettereffekte tun ihr übriges: Wenn ein Platzregen losgeht und die tropfen vom Cockpit unseres Mechs abperlen, dann fühlt man sich umso wohler auf dem gemütlichen Sitz platzgenommen zu haben.

Lightyear Frontier Die Farm auf einer grünen Wiese im Abendrot© Amplifier Studios / FRAME BREAK
Lightyear Frontier sieht mit simplen Mitteln trotzdem super aus. Vor allem die Lichteffekte feuern das komplette Emotionsspektrum ab.

Überhaupt will uns Lightyear Frontier die Spielerfahrung zu angenehm wie möglich machen. Keine Durst-/Nahrungsanzeigen machen uns Druck, kein Lebewesen will uns etwas böses. Wir können das Spiel ganz in unserem Tempo genießen und nur für positive Effekte sorgen, wenn wir uns vor Mitternacht schlafen legen oder die einheimischen Tiere füttern. Disziplin wird belohnt, nichts wird bestraft. Lightyear Frontier ist ein Survival-Game, dass den Titel Cozy-Game verdient. Das wir das alles auch zu viert machen können, setzt dem ganzen die Krone auf.

Lightyear Frontier Ein Mech springt mit einer Schanze über die Farm.© Amplifier Studios / FRAME BREAK
Auch zum Rumalbern gibt es in Lightyear Frontier genug Möglichkeiten. Zum Beispiel wenn wir mit dem Trailblazer-Upgrade und einer Sprungschanze die Schlusszene aus E.T. nachstellen.

Die gewohnte Motivationsspirale

Während wir die Gegend erforschen, unsere Farm aufbauen und unseren Mech immer weiter verbessern, nimmt uns Lightyear Frontier stets an die Hand. Wir haben immer mindestens eine konkrete Aufgabe, die uns als Karotte vor die Nase gehalten wird, meistens zwei bis drei. So müssen wir neue Gebiete freilegen, indem wir sie von dubiosem Schleim und Unkraut befreien, Neuankömmlingen auf dem Planeten helfen und unsere eigene Technologie voranbringen. Mit nahezu jeder erledigten Quest bekommen wir neue Baupläne oder Upgrades für unsere Maschine.

Lightyear Frontier Der Mech bewässert ein Beet mit einem großen Wasserschuss© Amplifier Studios / FRAME BREAK
Jedes Upgrade macht das Farming spürbar leichter und fühlt sich auch immer mächtiger an, als zuvor.

Entdeckerdrang wird ebenfalls belohnt, indem wir zum Beispiel seltsame Ruinen einer offenbar vergangenen Zivilisation untersuchen und durch sammelbare Artefakte kosmetische Anpassungen für unsere Spielfigur oder Mech freischalten. Das macht Spaß und bleibt motivierend, da im Grunde immer mehrere Dinge auf einmal zu tun sind und wir quasi entscheiden können, wie wir unseren Tag gestalten. Fortschritt passiert eigentlich immer irgendwie und alle Mechaniken greifen gut ineinander. Außerdem ist der Planet einfach herrlich organisch designt und es ist immer spannend, neue Rohstoffe, Tiere oder Pflanzen zu finden und in das eigene Zuchtprogramm aufzunehmen. Man nimmt es dieser Welt einfach ab, dass sie ein friedliches, aber funktionierendes Ökosystem ist.

Lightyear Frontier Eine Händlerin in ihrem Raumschiff.© Amplifier Studios / FRAME BREAK
Mit der Zeit lassen sich auch andere Menschen auf unserer Farm nieder. Gegen Quests verbessern sich auch Ihre Dienstleistungen.

Wie lange der Spaß dauert, hängt mitunter stark von der Anzahl der Spieler ab. Zu zweit geht alles etwas schneller, als alleine – mit vier Spielern muss dafür aber auch mehr nach Ressourcen gefarmt werden, um die Mechs aller Spieler upgraden zu können. Um alles zu sehen, dürften nach aktuellem Stand (Januar 2025) für zwei Spieler gut 15 Stunden eingeplant werden.

Lightyear Frontier zeigt vorbildlichen Early Access

Ich habe es bereits angerissen, aber ich bin wirklich begeistert vom Zustand, in dem Entwickler FRAME BREAK mit Lightyear Frontier in den Early Access geht. Ich verfolge das Spiel bereits seit der ersten Demo, die ein paar Monate vor Early Access verfügbar gemacht wurde und schon damals spielte sich die ganze Sache ziemlich Rund. Das hat sich seitdem nicht geändert. Die gemütliche Farming Simulation läuft schon ziemlich stabil auf maximalen Details, mit nur wenigen Rucklern, auf einem Mittelklasse-System. Der Fortschritt fühlt sich dynamisch an und die Grafik ist wirklich hübsch. Lightyear Frontier wirkt einfach schon erfreulich vollständig, auch wenn der Umfang aktuell noch die größte (vielleicht einzige echte) Schwäche darstellt.

Lightyear Frontier Mech liegt abgestürzt im Graben© Amplifier Studios / FRAME BREAK
Bei der Bewegung in unwegsamen Gelände ist Vorsicht geboten, sonst liegt man schnell im Graben und muss den Mech wieder richten.

Dafür kommen stetig neue Inhalte und FRAME BREAK kommunizieren sehr transparent, welche Inhalte noch fehlen oder warum. Ohnehin ist die Verbindung zur Community beim Entwickler sehr vorbildlich. Das Studio führt einen echten Dialog mit den Spielenden und nimmt das Community-Feedback ernst. Zum Beispiel wird regelmäßig abgefragt, worüber die Community gerne als nächstes informiert werden möchte oder welche Inhalte aktuell priorisiert werden sollten.

Trotzdem lässt das Studio keinen Zweifel aufkommen, dass bereits ein langfristiger Plan für Lightyear Frontier existiert. Dazu gibt es immer wieder mal lustige Statistiken auf der Steam-Page zu sehen. Für so einen Early Access gebe ich gerne 25 Euro aus. Auch die Community dankt es dem Spiel mit einem Rating von „Sehr positiv“

Lightyear Frontier Mechs erkunden eine futuristische Ruine© Amplifier Studios / FRAME BREAK
Die Erkundung mysteriöser Ruinen ist zunächst das übergeordnete Hauptziel in Lightyear Frontier.

Fazit: 8/10

Unser Wertungssystem hat zwar keine Kommastellen, aber seht diese Wertung gerne als eine 8,5! Lightyear Frontier lässt keinen Zweifel daran, dass es weiß, was es sein will und macht schon jetzt im Early Access so viel Richtig, wie viele Spiele auch Jahre nach Full-Release nicht. Es ist ein unheimlich niedliches, hübsches und entspanntes Cozy-Game, das alleine Spaß macht, aber vor allem im Gruppenspiel richtig aufblüht. Der Mech bietet einen erfrischenden Twist zum klassischen Farming Genre und man spürt die Liebe, die FRAME BREAK in dieses Projekt steckt.

Indie-Perlen wie Lightyear Frontier haben es verdient, gesehen und unterstützt zu werden. Denn hier ist Early Access nicht nur eine Hinhaltetaktik, sondern bringt durch regelmäßige Updates und gute Kommunikation mit der Community das Beste im Spiel zum Vorschein. Wer Lust auf eine Farming Simulation der etwas anderen Art ohne großen Stress hat, aber auch ohne übermäßig Anspruch hat, macht mit 25 Euro für die Steam Version absolut nichts falsch.

Um tatsächlich jeden Survival- und/oder Farming-Sim Fan zufrieden zu stellen, fehlt dann am Ende aber doch das letzte Stück Raffinesse und Komplexität. Auch bleiben viele Möglichkeiten des Spiels unnötige Spielereien, die uns Gameplay-technisch kaum Mehrwert bieten. Mit einem Batzen großer Beete ist man zum Beispiel aktuell schlicht besser bedient, als mit einem groß angelegten Acker. Da spürt man dann doch noch den Early Access; was mich aber auch optimistisch stimmt, dass in dieser Hinsicht noch viel Balancing passieren kann.